ICH MALE MEIN LEBEN

 

Ich male mein Leben, meine Familie, Kolumbien, Lateinamerika. Ich male mich: "Erdbeben oder Vulkanausbruch", murmelte Doña Agripina Idarraga de Zapata, meine Grossmutter, als sie am selben Tag schon die 3. Schlange aus dem Haus jagte. Also wartete ich den ganzen Tag draussen im Pathio; es geschah aber nichts. Nur die üblichen, täglichen Ereignisse: die Blutigen wie die Euphorischen, die Phantastischen wie die Beweissbaren: Ein Arbeiter verlor einen Finger in der Zuckerrohrpresse, worauf sich die Frage stellte, ob es eine Sünde wäre, diese Melasse mit menschlichen Fleisch zu verzehren. Eine Kuh hatte zwillinge bekommen. Petrona, die schwarze Köchin packte ihre Sachen und machte sich auf den langen Weg zu ihrem Schamanen an der pazifischen Küste, weil sie 3 mal von einem Rabengeier träumte. Wieder bekam Grossvater von einer seiner Mestizen-Bäuerinen ein neugeborenens unheliches Kind, in einem Kupferkessel eingebettet, geschickt, was meine Grossmutter diesmal sehr glücklich machte, da die Kesselhenkel grossgenug für ihre starken Hände waren. Tante Carmen machte ihre tägliche Haltungsübungen mit einem Buch auf dem Kopf und Stockelschuhen; sie war von den 12 Schwester die schönste, somit wurde sie für den "Beruf" Schonheitskönigin erzogen. Bei putzen ihres Revolvers hat Tante Luciola fast meinen Cousin Orlando getrofen. Tante Genoveva und Tante Hermenegilda kamen sich das x-mal in die Haaren wegen Guillermo Ledesma und wie am Kopf angewachsenen Siamesas durchstreiften sie, zur Freude der über 20 Kinder, mehrmals den ganzen Pathio.


Also ohne Erdbeben oder Vulkanausbruch ging der Tag zu Ende und von der Allwissenheit und Macht meiner Grossmutter entäusch ging ich auch ins Bett. Erst am nächsten Tag, sehr früh, haben die 3 Schlangen ihre Bedeutung bekommen, als meine Grossmutter schreiend aus dem Dorf Betania zurückgalopierte und fast bis auf in die Veranda hineinritt. Ihre Sporen und Stiefeln waren voll mit Pferdeblut, sie zieterte vor Zorn und atmete schwer. Sie versamelte ihre 5 Söhne und die von ihr grossgezogene unhelichen Söhne ihres Mannes im Haus. Don Segundo Arias hatte sie mit der Frage beleidigt, wozu sie in die Kirche geht, wenn es ihr sowieso nicht helfen wird, da sie ihre Töchter wie Männer oder Huren erzieht. Meine Grossmutter verlangte von ihren Söhnen, diesen Mann zu töten...

 

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